16.04.2021 / Leserbrief / /

Bauen auf der grünen Wiese

Zwei vermeintlich verschiedene Themen geben im Talkessel Schwyz zu reden: Die Kantonsschule Innerschwyz (KSI) und die Immobilienstrategie der Regierung. Ich glaube, dass diese beiden Angelegenheiten enger zusammenhängen als man auf den ersten Blick denkt. Im Bericht zur Vernehmlassungsvorlage der Teilrevision des Mittelschulgesetzes schlägt die Regierung vor, eine neue Kantonsschule Innerschwyz in den Räumlichkeiten des Kollegi Schwyz aufzubauen. Das Gymnasium soll für 600 Schülerinnen und Schüler ausgelegt sein, erwartet wird in den nächsten Jahren aber ein Wachstum. Mit anderen Worten: Es ginge nicht lange, dass die neue KSI an einem einzigen Standort aus allen Nähten platzen würde. Was zur Folge hätte, dass sich die Schule innerhalb des Gebäudes ausdehnt und es dafür für die Verwaltung weniger Platz hat. Das wiederum wäre ein Steilpass für ein neues Verwaltungsgebäude. Wo? Im Kaltbach, ausserhalb des Dorfes Schwyz, mitten auf der grünen Wiese mit Vernichtung von wertvollem Kulturland. Ausgerechnet die kantonale Verwaltung soll an die mit dem ÖV nicht gut erschlossene Peripherie ziehen. Dadurch wird das Alltagsleben im Dorfkern von Schwyz ausgehöhlt, die Gastronomie und der Detailhandel verlieren ein bedeutendes Kundensegment.

Gleichzeit ist noch überhaupt nicht klar, was mit dem alten AHV-Gebäude an der Bahnhofstrasse passieren soll. Ein Geisterhaus? Ich bin klar der Meinung, dass die Verwaltung im gut erschlossenen Zentrum des Hauptortes bleiben soll. Hat es in einem Neubau für die Verwaltung zu wenig Platz, gäbe es immer noch das brach liegende mit dem ÖV bestens erschlossene Zeughausareal in Seewen.

Zurück zur Kantonsschule Innerschwyz: Mit der Zusammenlegung der beiden Gymnasien an einem Standort (bzw. im Kollegi) würde das Theresianum Ingenbohl auf einen Schlag leer stehen. Das sind 28’000 Quadratmeter Fläche. Die daraus resultierenden hohen Kosten und bedeutenden Ertragsausfälle müsste allein das Kloster verkraften, welches über Generationen wertvolle Dienste im Bildungswesen leistete. Das geht nicht: Die Regierung darf sich hier nicht einfach aus der Verantwortung stehlen.

Die Mittelschul- wie auch die Hochbaustrategie der Regierung überzeugen mich nicht. Für eine sinnvolle, langfristige Entwicklung des Talkessels muss mit den Standortgemeinden Schwyz und Ingenbohl über die Bücher gegangen werden.

Irene Huwyler Gwerder, Kantonsrätin CVP, Rickenbach