10.03.2020 / Leserbrief / /

Populistische Klimadebatte

Dominik Zehnder, FDP-Fraktionspräsident, macht es sich in seinem Leserbrief einfach, wenn er das Hohelied auf die freie Marktwirtschaft singt, der wir «den sauberen Fortschritt» zu verdanken hätten. Seit der Finanzkrise 2008 wissen wir, dass der freie Markt es nicht immer richten wird. Damals stabilisierte der Bund das Finanzsystem mit einem umfassenden Massnahmenpaket. Auch umweltpolitisch war es noch nie so, dass der Markt es selbst regelte. Der richtige Blick in die Geschichte zeigt dies schon im Kleinen, z.B. bei der Sackgebühr. Erst recht gilt dies im Grossen: Bis in die 1970er Jahre entsorgte die Industrie ihr Schmutzwasser direkt in die Flüsse (z.B. Rhein). Erst politischer Druck (revidiertes Gewässerschutzgesetz 1971, Umweltschutzgesetz 1983) und eine Katastrophe (Schweizerhalle 1986) läuteten die Kehrtwende ein. Auch die Massnahmen gegen die Luftverunreinigung seit den 1970er Jahren zeigen vor allem auf, dass das Spannungsfeld zwischen Umweltschutz und Wirtschaft zumeist zugunsten Letzterer interpretiert wurde. Immer wenn für die Umstellung auf umweltverträgliche Produktion hohe Investitionen nötig gewesen wären, gab es grosse Widerstände (z.B. Aluminium- und Stahlindustrie). Ähnlich war und ist es dort, wo individueller Verzicht gefordert wäre. Und damit sind wir bei der heutigen Klimadebatte. Hier wäre von der Politik echter Wille gefordert, Lösungen zu erarbeiten. Im heutigen Kantonsrat ist dies leider nicht der Fall. Lieber leugnet man das Problem. Was wäre zu tun? In „grüne Forschung“ investieren, die Kosten durch Innovation senken, neue Wege suchen. Kurz: Mehr Geld für Bildung und Forschung sprechen. Sparen als politisches Programm und Vogel-Strauss-Mentalität reichen bei weitem nicht.

Marco Sigg, Historiker und Kantonsratskandidat, Schwyz